MT, 19.03.2015

 

Poeten liefern sich heißen Wettstreit

 


Foto: Thomas Vorwerk

 

Von Thomas Vorwerk
Emstek. Was kann ein Achtklässler schon an Lebenserfahrung haben? Offensichtlich eine ganze Menge, denn die Themen, denen sich zehn Mädchen und ein Junge beim ersten Poetry Slam an der Oberschule Emstek widmeten, waren zwar Jugendthemen, wurden von den Poeten aber teils mit einer Tiefe gefüllt, die man so nicht erwarten muss.
Poetry Slam: Laut Wikipedia gab es den ersten Wettstreit dieser Art 1986 in Chicago, bei dem das Publikum durch Applaus abstimmt. Übersetzt bedeutet es soviel wie "Dichter-Schlacht". Die Texte müssen selbst geschrieben sein. Für den Vortrag ist ein Zeitfenster einzuhalten. Requisiten, Kostüme oder Musikinstrumente sind tabu.
In Emstek lief dies gestern etwas anders. Da sich das Teilnehmerfeld aus drei Schulen, nämlich den Gastgebern, der Johann-Comenius-Schule in Cloppenburg sowie der Anne-Frank-Schule in Molbergen, zusammensetzte, wurde eine unabhängige Jury „verpflichtet“, die am Ende die Plätze vergab.

Was sie und die Mitschüler und mitgereisten Fans zu hören bekamen, waren teils private Einblicke in die Gefühlswelten der Slammer, die man vielleicht eher dem eigenen Tagebuch anvertrauen würde, als sie in lyrischer Form einem großen Publikum zu präsentieren. Die erste Liebe, die Freundschaft zu einem geliebten Menschen sind dafür Beispiele, aber auch die Kindheit, auch wenn sie noch gar nicht so lange zurückliegt.

Einer stach dabei aus verschiedenen Gründen heraus: Renat Al Maami. Er war der einzige männliche Teilnehmer und kam ganz ohne Spickzettel und Textvorlage aus. Auch das ursprüngliche Auswahlverfahren, nämlich der Publikumsentscheid, hätte hier gegriffen, denn Jury und Zuhörer waren gleichermaßen von seinem Beitrag "Fußball" überzeugt.

Hinter dem Schüler der Johann-Comenius-Oberschule reihten sich als weitere Platzierte Laura Hengemühle aus Emstek mit "Lego, Playmobil, Spielplatz und Co." sowie Annika Schlömer aus Molbergen mit "Frühlingsgefühle" ein. Alle Teilnehmer bekamen je ein Exemplar von Julia Engelmanns Sammlung "Eines Tages, Baby". Die drei Medaillenränge wurden zudem mit hochwertigen Schreibstiften belohnt, mit denen sich weitere Gedanken zu Papier bringen lassen.